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Wann lohnt sich Vision AI?

Nicht jedes visuelle Problem braucht AI. Manchmal reicht ein guter Sensor, manchmal ist die Datengrundlage zu dünn, und manchmal übersteigen die Kosten den Nutzen. Diese Lektion gibt Ihnen eine Entscheidungsmatrix für fundierte Build-vs.-Buy-Entscheidungen.

Entscheidungsmatrix

Wann Vision AI sinnvoll ist ✅

KriteriumIndikation für Vision AI
Volumen> 1.000 visuelle Prüfungen/Tag
VariabilitätViele Produktvarianten, kein festes Template
GenauigkeitMenschliche Prüfer erreichen < 95 % Genauigkeit
GeschwindigkeitTaktzeiten < 1 Sekunde erforderlich
KonsistenzSubjektive Bewertung durch verschiedene Prüfer problematisch
UmgebungGefährliche oder unzugängliche Prüfumgebung
DatenGenügend Beispielbilder (mind. 100 pro Klasse) vorhanden

Wann Vision AI NICHT sinnvoll ist ❌

KriteriumIndikation gegen Vision AI
Volumen< 50 Prüfungen/Tag (manuell günstiger)
EinfachheitProblem lösbar mit einfacher Sensorik (Lichtschranke, Waage)
DatenZu wenige Beispiele, Defekte zu selten oder zu variabel
KostenFehlerkosten gering (< 1.000 €/Jahr)
VeränderungPrüfobjekt ändert sich wöchentlich (ständiges Re-Training nötig)
PhysikDefekt visuell nicht erkennbar (z. B. interne Materialfehler ohne Röntgen)

Build vs. Buy

Option 1: Cloud-API (Buy)

Google Vision, AWS Rekognition, Azure CV — fertige APIs für Standard-Tasks.

Vorteile: Schneller Start, keine ML-Expertise nötig, skaliert automatisch Nachteile: Daten verlassen das Unternehmen, laufende Kosten, begrenzte Customization Kosten: 1–5 €/1.000 Bilder Ideal für: Prototyping, Standard-OCR, generische Klassifikation

Option 2: Platform (Buy + Customize)

Roboflow, Landing AI, Clarifai — No-Code/Low-Code CV-Plattformen.

Vorteile: Custom-Modelle ohne Programmierung, visuelles Labeling, One-Click-Deploy Nachteile: Vendor Lock-in, monatliche Lizenzkosten, weniger Kontrolle Kosten: 500–5.000 €/Monat Ideal für: KMU ohne Data-Science-Team, schnelle Iteration

Option 3: Custom (Build)

PyTorch + eigenes Team — volle Kontrolle, maximale Anpassung.

Vorteile: Volle Kontrolle über Daten und Modell, keine Vendor-Abhängigkeit, optimierte Performance Nachteile: Benötigt ML-Engineers, längere Entwicklungszeit, Wartungsaufwand Kosten: 50.000–300.000 € initial + Team Ideal für: Differenzierung durch CV, kritische Anwendungen, hohes Volumen

Entscheidungshilfe

Ist CV ein Kernprodukt oder Wettbewerbsvorteil?
  → Ja: BUILD
  → Nein:
    Reichen Standard-APIs?
      → Ja: CLOUD-API
      → Nein: PLATTFORM

Kostenplanung

Total Cost of Ownership (TCO) — 3-Jahres-Betrachtung

KostenartCloud-APIPlattformCustom
Setup2.000 €10.000 €100.000 €
Laufend (Jahr)12.000 €36.000 €80.000 €
3-Jahres-TCO38.000 €118.000 €340.000 €
Break-Even vs. manuellSofort6 Monate18 Monate

Versteckte Kosten

Oft unterschätzt:

  • Labeling: 50–200 Stunden für initialen Datensatz
  • Edge Hardware: 5.000–30.000 € pro Standort
  • Integration: SPS-Anbindung, ERP-Konnektoren, Alerting
  • Re-Training: Modelle müssen bei Produktänderungen aktualisiert werden
  • Support: Wer hilft, wenn die AI falsch liegt? Wer monitort?

Pilot-Strategie

Der 30-60-90-Tage-Plan

Tag 1–30: Proof of Concept

  • Problemdefinition und Datensichtung
  • 100+ Beispielbilder sammeln und labeln
  • Quick Prototype mit Cloud-API oder Plattform
  • Go/No-Go-Entscheidung basierend auf Genauigkeit

Tag 31–60: Pilot

  • Modell verfeinern, mehr Daten sammeln
  • Integration in bestehenden Workflow (semi-automatisch)
  • KPIs definieren und messen
  • Stakeholder-Feedback einholen

Tag 61–90: Evaluation

  • ROI berechnen basierend auf Pilot-Daten
  • Skalierungsplan erstellen
  • Build vs. Buy final entscheiden
  • Business Case für Rollout erstellen

Goldene Regel: Starten Sie mit dem teuersten visuellen Problem in Ihrem Unternehmen. Der ROI muss offensichtlich sein — dann folgt das Budget automatisch.

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Quiz

Frage 1 von 3

Wann ist eine Cloud-API die beste Wahl für Computer Vision?