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Cloud vs. On-Premise vs. Hybrid

Die erste strategische Entscheidung bei AI-Infrastruktur: Wo laufen Ihre Modelle? Die Antwort hängt von Kosten, Latenz, Datenschutz und Skalierbarkeit ab.

Die drei Deployment-Modelle

Cloud (AWS, Azure, GCP)

Die beliebteste Option für den Einstieg und für variable Workloads.

Vorteile:

  • Keine Vorabinvestition: Pay-as-you-go, sofort startklar
  • Elastische Skalierung: GPU-Kapazität in Minuten hoch-/runterfahren
  • Managed Services: SageMaker, Vertex AI, Azure ML reduzieren Betriebsaufwand
  • Globale Verfügbarkeit: Modelle nah am Nutzer deployen

Nachteile:

  • Kosten bei Dauerlast: Ab 70 % GPU-Auslastung wird Cloud teurer als eigene Hardware
  • Datenhoheit: Daten verlassen Ihr Netzwerk — DSGVO-relevant
  • Vendor Lock-in: Migration zwischen Cloud-Anbietern ist aufwändig

On-Premise

Eigene Server im eigenen Rechenzentrum oder Colocation.

Vorteile:

  • Volle Datenhoheit: Daten bleiben im eigenen Netzwerk — ideal für regulierte Branchen
  • Planbare Kosten: Einmalige Anschaffung, keine variablen Gebühren
  • Niedrige Latenz: Direkter Zugriff ohne Netzwerk-Overhead

Nachteile:

  • Hohe Vorabkosten: Ein NVIDIA DGX H100 kostet ab 300.000 €
  • Wartungsaufwand: Hardware, Kühlung, Strom, Updates — alles selbst managen
  • Skalierung langsam: Neue Hardware bestellen dauert Wochen bis Monate

Hybrid (empfohlen für 2026)

Die Kombination beider Welten — und der pragmatische Sweet Spot.

Strategie:

  • Sensitive Daten on-prem verarbeiten (PII, Gesundheitsdaten, Finanzdaten)
  • Variable Workloads in die Cloud auslagern (Batch-Jobs, Spitzenlast)
  • Edge-Inference für Echtzeit-Anwendungen (< 50 ms Latenz)

Entscheidungsmatrix

KriteriumCloudOn-PremHybrid
StartkostenNiedrigHochMittel
Laufende Kosten (Dauerlast)HochNiedrigMittel
DatenschutzMittelHochHoch
SkalierbarkeitSehr hochNiedrigHoch
Time-to-MarketSchnellLangsamMittel

Praxis-Empfehlung

Phase 1 (0–6 Monate): Starten Sie in der Cloud. Prototypen schnell validieren, Kosten verstehen. Phase 2 (6–18 Monate): Identifizieren Sie stabile Workloads und prüfen Sie On-Prem für diese. Phase 3 (18+ Monate): Hybrid-Architektur mit klarer Zuordnung: welche Workloads wo laufen.

Faustregel 2026: Wer unter 50.000 €/Monat Cloud-Kosten hat, bleibt besser in der Cloud. Darüber lohnt sich die Hybrid-Analyse.

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Quiz

Frage 1 von 3

Ab welchem monatlichen Cloud-Budget lohnt sich typischerweise eine Hybrid-Analyse?